D1: Vizeweltmeister!
Vom 19. bis 21. Juni 2026 ging es für unsere Jungs noch einmal auf große Reise. Ziel war diesmal Jena, wo die von den Ballfreunden ausgetragene Mini-Weltmeisterschaft auf dem Programm stand. Wer diese Mannschaft in den vergangenen Monaten verfolgt hat, weiß allerdings, dass dies bei weitem nicht die erste Reise in diesem Jahr war. Was die Jungs in dieser Saison gemeinsam erlebt haben, war schon außergewöhnlich. Neben der Meisterschaft, vielen Liga- und Testspielen gab es zahlreiche gemeinsame Ausflüge und Turniere. Das große Highlight war sicherlich unsere Reise nach Spanien, wo sich die Jungs tatsächlich den ersten Platz sichern und den Pokal mit nach Frankfurt nehmen konnten. Und nur kurze Zeit später wartete mit Jena schon das nächste Abenteuer.
Diesmal begann die Reise schon etwas anders als gewohnt. Zum ersten Mal ging es nicht mit dem Bus oder in Eigenanreise zu einem Turnier, sondern gemeinsam mit dem Zug. Am Freitag, den 19. Juni, traf sich die Mannschaft am Frankfurter Hauptbahnhof und die Vorfreude war den Jungs sofort anzumerken. Dazu war für das gesamte Wochenende richtig heißes Sommerwetter angekündigt und spätestens bei unserer Ankunft in Jena merkten wir, dass diese Vorhersage nicht übertrieben war.
Unser Hotel lag super zentral und nachdem die Zimmer bezogen waren, wurde erst einmal gemeinsam die Stadt erkundet. Schon in diesen ersten Stunden war wieder diese besondere Stimmung innerhalb der Mannschaft zu spüren. Die Jungs waren gut drauf, hatten Spaß miteinander und man merkte einfach, wie sehr diese Mannschaft mittlerweile auch außerhalb des Platzes zusammengewachsen ist. Am Abend ging es dann zur Eröffnungsfeier und dort wartete direkt die erste Besonderheit: Bei dieser Mini-WM liefen unsere Jungs als Italien 🇮🇹 auf und das in Original Trikots. Das sorgte natürlich für Gesprächsstoff, denn Italien hatte sich bekanntlich für die große Weltmeisterschaft nicht qualifiziert und trotzdem stand bei der Mini-WM plötzlich eine italienische Mannschaft auf dem Platz. Neben vielen positiven Kommentaren gab es auch den ein oder anderen Spruch. Für unsere Jungs war aber ziemlich schnell klar: Wir müssen hier nicht groß reden, wir können unsere Antwort auf dem Platz geben.

Am Samstagmorgen ging es dann zur wunderschönen Sportanlage von Schott Jena. Eine riesige und hervorragend gepflegte Anlage, die wirklich beste Voraussetzungen für solch ein Turnier bot. In der Vorrunde warteten direkt interessante Aufgaben auf uns. Das erste Spiel gegen Spanien konnten wir für uns entscheiden und auch gegen Deutschland gelang der nächste Sieg. Im letzten Gruppenspiel trafen wir dann auf Schottland, vertreten durch den Gastgeber aus Jena. Diese Partie endete unentschieden und damit wurde es kurios: Punkte und geschossene Tore waren identisch, sodass tatsächlich ein Münzwurf darüber entscheiden musste, wer als Gruppenerster ins Achtelfinale geht. Leider fiel dieser gegen uns aus und so beendeten wir die Vorrunde als Tabellenzweiter.
Damit wartete im Viertelfinale direkt ein richtig starker Gegner aus Polen auf uns. Nach bereits drei Spielen und bei diesen extremen Temperaturen war das noch einmal ein echter Härtetest und gleichzeitig das letzte Spiel eines langen Samstags. Die Jungs gingen die Partie aber mit der nötigen Konzentration und dem Ehrgeiz an. Wir gingen mit 1:0 in Führung, kassierten nach einem Standard das 1:1 und es entwickelte sich ein enges Spiel, in dem beide Mannschaften ihre Möglichkeiten hatten. Vier Minuten vor Schluss gelang uns dann tatsächlich noch der verdiente Treffer zum 2:1. Damit war das Viertelfinale erreicht und natürlich war die Stimmung anschließend entsprechend gut.
Eine schöne Überraschung gab es an diesem Samstag ebenfalls noch, denn plötzlich stand unser ältestesten Rat von VFL Germania Frankfurt in Jena und besuchte die Mannschaft beim Turnier. Am Abend wurden die Jungs zum Pizzaessen eingeladen und danach konnte jeder einfach ein wenig die freie Zeit genießen. Bei sommerlichen Temperaturen wurde durch die Stadt geschlendert, die Jungs waren in Gruppen unterwegs oder verbrachten die Zeit gemeinsam im Hotel. Natürlich durfte auch Fußball nicht fehlen und am Abend wurde noch gemeinsam Deutschland gegen die Elfenbeinküste geschaut. Nach diesem langen Turniertag war es genau der richtige Abschluss.
Am Sonntagmorgen ging es dann mit dem Halbfinale weiter und langsam wurde allen bewusst, dass hier vielleicht noch richtig etwas möglich war. Sowohl das Viertelfinale als auch das anschließende Halbfinale waren hart, intensiv und bei den Temperaturen unglaublich anstrengend. Aber unsere Jungs waren fit, konzentriert und vor allem wollten sie mehr. Mit einem starken Auftritt gegen eine starke Berliner Verbandsliga-Mannschaft gelang tatsächlich der Einzug ins Finale der Mini-Weltmeisterschaft.
Dort wartete erneut eine Mannschaft aus Polen und es entwickelte sich ein echtes Finale. Intensiv, eng und über weite Strecken völlig ausgeglichen. Leider rückte dabei, wie teilweise schon im Halbfinale, auch der Schiedsrichter immer wieder in den Mittelpunkt. Es gab einige Entscheidungen gegen uns, die nur schwer nachzuvollziehen waren. Trotzdem blieben die Jungs ruhig, nahmen es hin und spielten weiter. Im Finale wurde es dann allerdings richtig bitter. Innerhalb kürzester Zeit wurden zwei äußerst fragwürdige Elfmeter gegen uns gepfiffen. Trotzdem gab die Mannschaft nicht auf und tatsächlich gelang uns etwa eine Minute vor Schluss noch ein sehenswerter Treffer, der jedoch ebenfalls aberkannt wurde. Eine Entscheidung, die wir bis heute nicht wirklich nachvollziehen können.
Nach der regulären Spielzeit stand es 1:1 und damit musste ausgerechnet das Elfmeterschießen darüber entscheiden, wer sich am Ende Weltmeister nennen durfte. Dort hatten wir leider nicht das nötige Glück auf unserer Seite. Somit hieß es am Ende: Vize-Weltmeister mit Italien.
Natürlich war die Enttäuschung im ersten Moment groß. Wenn man nach einem solchen Wochenende, nach so vielen Spielen und bei diesen Temperaturen bis ins Finale kommt und dann im Elfmeterschießen verliert, tut das weh. Aber schon kurze Zeit später überwog eigentlich etwas ganz anderes: der Stolz auf dieses Wochenende und vor allem auf diese Mannschaft.
Wenn man sich einmal vor Augen führt, was diese Jungs in diesem Jahr alles erlebt und erreicht haben, ist das schon Wahnsinn. Meister geworden, Turniersieger in Spanien und zum Abschluss Vize-Weltmeister in Jena. Dazu unzählige Spiele, Turniere, Reisen, Zugfahrten, gemeinsame Abende, unzählige Siege und vor allem jede Menge Erinnerungen, die den Jungs niemand mehr nehmen kann.
Als Trainer macht mich dabei aber nicht nur stolz, was diese Mannschaft gewonnen hat. Viel wichtiger ist für mich die Art und Weise, wie diese Mannschaft über die Jahre gewachsen ist und wie sie ihren Fußball lebt. Hier wurde keine Mannschaft künstlich zusammengestellt, um möglichst schnell irgendwelche Erfolge zu produzieren. Wir haben keinen NLZ-Charakter und bei uns geht es auch nicht darum, ständig irgendwo die vermeintlich besten Spieler einzusammeln. Viele dieser Jungs spielen seit Jahren miteinander, sind gemeinsam groß geworden, haben sich gemeinsam entwickelt und sind mittlerweile nicht nur Mitspieler, sondern Freunde.
Natürlich wollen auch wir gewinnen. Natürlich sind wir ehrgeizig und natürlich freuen wir uns über Meisterschaften, Pokale und Finalspiele. Aber eben nicht um jeden Preis. Dieses Jahr hat eindrucksvoll gezeigt, dass man auch mit Spaß, Teamgeist, Zusammenhalt, Vertrauen und einer eigenen Idee vom Fußball sehr erfolgreich sein kann.
Gerade in einer Fußballwelt, die sich auch im Jugendbereich wahnsinnig verändert hat, in der teilweise schon bei Kindern nur noch der nächste Verein, das nächste Leistungszentrum und der schnelle Erfolg zählen, ist diese Mannschaft vielleicht ein schönes Gegenbeispiel. Man muss nicht jeden Trend mitmachen. Man muss nicht ständig den nächsten vermeintlich besseren Spieler holen und man muss aus Kinderfußball kein Geschäft machen, um erfolgreich zu sein. Man kann auch einfach über Jahre gemeinsam arbeiten, den Jungs Vertrauen schenken, sie Fehler machen lassen, gemeinsam gewinnen und verlieren und dabei nie vergessen, warum sie irgendwann einmal mit diesem Sport angefangen haben: weil Fußball Spaß macht.
Und genau deshalb ist diese Mannschaft mittlerweile vielleicht auch ein kleines Aushängeschild des VfL Germania Frankfurt geworden. Nicht nur wegen der Ergebnisse, sondern wegen der Art, wie diese Jungs Fußball spielen und leben. Sie haben in diesem Jahr gezeigt, was möglich ist, wenn eine Mannschaft wirklich eine Mannschaft ist.
Jena war deshalb viel mehr als nur ein weiteres Turnier. Es war der Abschluss eines Jahres, das man wahrscheinlich erst mit etwas Abstand richtig begreifen wird. Die gemeinsame Rückreise nach Frankfurt, die müden Gesichter und gleichzeitig dieses Gefühl, wieder etwas Besonderes zusammen erlebt zu haben, waren eigentlich der passende Schlusspunkt.
Meister. Turniersieger in Spanien. Vize-Weltmeister in Jena. Das alles kann uns keiner mehr nehmen. Aber noch viel wichtiger sind die Freundschaften, der Zusammenhalt und all die gemeinsamen Erinnerungen, die hinter diesen Erfolgen stehen.
Diese Saison wird uns keiner mehr nehmen können. Am liebsten würde man diese Augenblock einfrieren aber es geht weiter – Mannschaft und Trainer bleiben zusammen. 2026/2027 wird anders, die Spielfeldgröße, Spielzeit, Aufstellung uvm. aber eins bleibt gleich – der TEAMGEIST dieser Mannschaft wird sich nicht verändern.





